Professor Johannes Backs ist neuer wissenschaftlicher Direktor des Helmholtz-Instituts für translationale AngioCardioScience (HI-TAC). Der Mediziner und bisherige Interimsdirektor hat seine Stelle offiziell im Oktober 2026 angetreten. Er teilt sich die Position mit der Gefäßbiologin Professorin Karina Yaniv, die im April 2026 als wissenschaftliche Direktorin des HI-TAC begonnen hat.
Das HI-TAC ist ein gemeinsames Helmholtz-Institut des Max Delbrück Center und der Universität Heidelberg mit ihren Medizinischen Fakultäten Heidelberg und Mannheim. Die Universität und das Max Delbrück Center haben es gemeinsam gegründet. Zusammen mit den HI-TAC-Nachwuchsgruppen arbeiten die Teams von Yaniv und Backs an beiden Standorten der Universität in Mannheim und Heidelberg.
„Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel darüber gelernt, welch zentrale Rolle das Herz-Kreislauf-System für unsere Gesundheit und bei der Entstehung von Krankheiten spielt“, sagt Karina Yaniv. „Jetzt wird es höchste Zeit, dieses Wissen in bessere Prävention, Diagnostik und Therapien umzusetzen. Mit Johannes Backs habe ich am HI-TAC nun den idealen Partner, um diese Herausforderungen zügig und gemeinsam anzugehen.“
Eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung
Backs, der eine Professur am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) inne hat, bleibt weiterhin Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiologie an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und dem Universitätsklinikum Heidelberg. Die Hälfte seiner Arbeitszeit wird er aber künftig für das HI-TAC aufbringen, dessen Entwicklung er von Anfang an begleitet hat.
„Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit Karina Yaniv die Kommunikation des Herzens mit dem Gefäßsystem und anderen Organen weiter zu erforschen. Auf diese Weise wollen wir nicht nur für kardiovaskuläre Krankheiten neue therapeutische Konzepte finden, sondern auch für altersabhängige Erkrankungen des Stoffwechsels und des Gehirns“, sagt Backs. „Zusammen mit den HI-TAC-Nachwuchsgruppen und kooperierenden Einrichtungen in Berlin, Heidelberg und Mannheim werden wir zudem daran arbeiten, aus den neuen Konzepten innovative Therapien zu entwickeln und sie so schnell wie möglich zu den Patientinnen und Patienten zu bringen.“
Von molekularen Mechanismen zu Wirkstoffzielen
Potenzielle Wirkstoffe hat Backs in den vergangenen Jahren gleich mehrfach ausgemacht. Er entdeckte zum Beispiel, dass bei Patient*innen mit einer schweren angeborenen Herzerkrankung, der RBM20-Kardiomyopathie, ein Signalprotein namens CAMK2D zu aktiv ist. Sein Team blockierte den Signalweg und konnte so die Krankheit bei Mäusen verhindern. Um ein Medikament gegen RBM20-Kardiomyopathie marktreif zu machen, kooperiert er mit einem jungen Pharmaunternehmen, das einen Hemmstoff klinisch testet.
Auch für das Broken-Heart-Syndrom hat Backs einen wichtigen Signalweg identifiziert, durch den das Enzym Calcineurin überaktiv wird. Die Erkrankung, die vor allem Frauen jenseits der Wechseljahre betrifft und durch emotionalen Stress ausgelöst wird, führt zu akuter Herzschwäche. Hier setzt Backs auf ein bereits zugelassenes Medikament, das die Körperabwehr unterdrückt und vermutlich auch gegen die stressbedingte Herzschwäche wirkt. Dies überprüft gerade eine klinische Phase-IIa-Studie am DZHK.
Für die häufige Herzschwäche HFpEF (Heart Failure with preserved Ejection Fraction), bei der der Herzmuskel versteift, ist Backs ebenfalls den molekularen Ursachen auf den Grund gegangen. Dabei ist er auf ein überaktives Enzym namens HDAC4 gestoßen, an dem er seit mehr als 20 Jahren forscht. Um HFpEF und andere kardiovaskuläre Leiden künftig besser behandeln zu können, hat Backs ein Start-up gegründet und bereitet mit dem Startkapital klinische Studien der Phasen I und IIa vor.
Wie das Herz mit anderen Organen spricht
Am HI-TAC selbst wird Backs zunächst drei Themen verfolgen, durch die er die Kommunikation des Herzens mit anderen Organen besser verstehen will. Zum einen möchte er herausfinden, wie die Herzmuskelzellen mit der inneren Zellschicht der Blutgefäße, den Endothelzellen, und mit den Blutplättchen zusammenarbeiten. Vorbefunde zeigen, dass das Herz genau dadurch bei einer HFpEF versteift. „Wir wollen therapeutische Zielstrukturen außerhalb der Herzzellen entdecken, die für neuartige Medikamente leichter erreichbar sind“, erkärt Backs.
Zum anderen nimmt er die Kommunikation des Herzens mit dem Fettgewebe stärker ins Visier. „In einem Mausmodell für die HFpEF haben wir gesehen, dass eine spezielle Hemmung von HDAC4 nicht nur das Herz stärkt. Sie bewirkt auch, dass die Tiere weniger entzündetes Fettgewebe und Übergewicht entwickeln“, erläutert Backs. „Das deutet auf neue Zielstrukturen gegen Adipositas hin.“
Im dritten Projekt wird der Wissenschaftler untersuchen, wie Hirn und Herz nicht nur beim Broken-Heart-Syndrom, sondern auch beim Schlaganfall miteinander kommunizieren. „Wir fangen gerade erst an zu verstehen, wie Signale aus dem Gehirn die Stressantwort des Herzens hervorrufen“, sagt er.
Glückwünsche aus den Institutionen
„Die Stärken von Karina Yaniv und Johannes Backs passen perfekt zusammen und sind für eine erfolgreiche Translation unerlässlich“, sagt Professorin Maike Sander, Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende des Max Delbrück Center. „Karinas Fachwissen in der Gefäßbiologie und ihre Verbindung zum Weizmann-Institut ergänzen Johannes’ Perspektive als klinischer Wissenschaftler und seine enge Verbindung zur Medizinischen Fakultät Heidelberg. Gemeinsam stärken sie im HI-TAC die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihnen.“
„Mit Johannes Backs übernimmt ein international ausgewiesener Herzspezialist und translationaler Forscher die wissenschaftliche Leitung des HI-TAC, der die Entwicklung des Instituts von Beginn an geprägt hat. Das HI-TAC steht beispielhaft für die Stärke unseres Forschungsstandorts: Es verbindet exzellente Herz- und Gefäßforschung mit Systemmedizin und schafft damit die Voraussetzungen, neue Erkenntnisse schneller in die klinische Anwendung zu überführen. Gemeinsam mit Karina Yaniv wird er dazu beitragen, das junge Feld der AngioCardioScience international weiter zu profilieren“, sagt Professor Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg.
„Die Medizinische Fakultät Mannheim hat die Herz-Kreislauf-Forschung um das Gebiet der Angioscience bereichert und mit dem European Center for Angioscience international sichtbar gemacht. Das Fach Angioscience erforscht, wie Blutgefäße Organfunktionen in Gesundheit und Krankheit steuern“, sagt Professor Sergij Goerdt, Dekan der Medizinischen Fakultät Mannheim. „Das HI-TAC mit den beiden wissenschaftlichen Direktor*innen Backs und Yaniv führt nun die Angioscience mit der herausragenden Cardioscience an der Medizinischen Fakultät Heidelberg zusammen, um gemeinsam die Translation der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung voranzubringen.“
Über Johannes Backs
JohannesBacks hat an der Universität Heidelberg in Medizin promoviert. Er war später als Arzt in allen Abteilungen der Inneren Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg sowie als Postdoktorand am Department for Molecular Biology des University of Texas Southwestern Medical Center bei Professor Eric N. Olson tätig. Im Jahr 2007 kehrte er als Emmy-Noether-Nachwuchsgruppenleiter der Deutschen Forschungsgemeinschaft an die Universität Heidelberg zurück.
Backs ist heute Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiologie an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und dem Universitätsklinikum Heidelberg, Professor am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs „Molekulare Schaltkreise von Herzerkrankungen“ an der Universität Heidelberg. Kommissarisch hat Backs das HI-TAC seit 2024 mitgeleitet.
Weitere Informationen
HI-TAC
Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
Karina Yaniv tritt Professur am HI-TAC, Mannheim, an