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„Wo ist denn die Kita?“

Gudrun Pingel kam 2009 an die Medizinische Fakultät, um eine betriebliche Kinderkrippe aufzubauen. Wo anfangs nur eine Idee bestand, entwickelte sich über die Jahre eine ausgezeichnete dreigruppige Einrichtung. 17 Jahre später verabschiedet sie sich von MEDI-KIDS.

Als Gudrun Pingel 2009 eine berufliche Veränderung suchte, stieß sie unter anderem auf ein Stellenangebot der Medizinischen Fakultät. Gesucht wurde eine Leitungskraft für eine neu aufzubauende betriebliche Kinderkrippe. Aus mehreren Angeboten wählte sie schließlich dieses, weil die Aufgabe ungewöhnlich und herausfordernd klang und viel Gestaltungsraum versprach.

Wie wörtlich das gemeint war, merkte sie gleich zu Beginn. „Wo ist denn die Kita?“, fragte sie den damaligen Dekanatsgeschäftsführer, Paul Fischer. „Die gibt es noch nicht. Es gibt auch noch keine Räumlichkeiten. Sie sind jetzt die Chefin. Machen Sie etwas draus!“ Tatsächlich gab es damals kaum mehr als die Idee des Dekans, Prof. Dr. Klaus van Ackern, des Geschäftsführers und der Beauftragten für Chancengleichheit, Prof. Dr. Grietje Beck: Wir brauchen und wollen eine betriebliche Kita.

Einige Erzieherinnen waren zeitgleich eingestellt worden. Und dann begann die Aufbauarbeit. Ganz entscheidend, so Pingel, war das enge und konstruktive Zusammenwirken mit der damaligen Gleichstellungsreferentin Frau Antonia Scheib-Berten und der auf Prof. Beck folgenden langjährigen Gleichstellungsbeauftragten Frau Dr. Eva Neumaier-Probst, die den Aufbau unterstützten und begleiteten. Innerhalb weniger Wochen plante das neue Team die Kita von Grund auf: Dienstpläne und Öffnungszeiten mussten entwickelt, ein pädagogisches Konzept entworfen, Ausstattung und Gestaltung der Räume festgelegt werden. Erstes Zubehör besorgten die Erzieherinnen kurzerhand selbst bei IKEA. Alle waren voll Gründungsbegeisterung.

Vereinbarkeit als Fakultätsaufgabe erkannt und unterstützt

Die Idee für eine eigene Betreuungseinrichtung der Medizinischen Fakultät hatten insbesondere der damalige Dekan Prof. Klaus van Ackern und der Fakultätsgeschäftsführer Paul Fischer vorangetrieben. Gemeinsam mit der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Prof. Dr. Grietje Beck brachten sie die Gründung von MEDI-KIDS auf den Weg. Mit besonderer Dankbarkeit erinnert sich Gudrun Pingel dabei an Prof. van Ackern und Paul Fischer, die der jungen Einrichtung und ihrer Leiterin gerade in der entscheidenden Aufbauphase mit großem Interesse und Rückhalt zur Seite standen. Der Anlass war konkret: Für die Beschäftigten des Klinikums gab es bereits eine Betreuungseinrichtung. Nun sollte auch die Fakultät ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren. MEDI-KIDS war damit von Anfang an ein zentrales Element der Gleichstellung und ein Leuchtturmprojekt in der gesamten Region.

Nach Pfingsten 2009 ging die Kita mit zwei Krippengruppen à zehn Kindern an den Start. Beim ersten Willkommens-Elternabend fanden Eltern und Erzieher gemeinsam auch den Namen für die neue Einrichtung: MEDI-KIDS. Untergebracht war die Krippe zunächst in einem mobilen Containersystem, das rund zwölf Jahre Bestand hatte. Was nach Provisorium klingt, hatte durchaus seinen Reiz. Rund um die Container erstreckte sich ein riesiges Außengelände mit Sand, Wiese, Kräuter- und Hochbeeten, zeitweise sogar einem Hühnergehege mit Miethühnern. An diese Jahre erinnert sich Pingel besonders gerne. Die Kinder pflanzten Tomaten, Zucchini, Gurken und Melonen, pflückten morgens schon Johannisbeeren und ernteten Karotten fürs Frühstück. Sie spielten Fußball, buddelten nach Herzenslust und erlebten Natur unmittelbar.

Auch wertvolle Traditionen entstanden auf diesem Gelände. Beim Laternenfest konnte St. Martin damals noch beritten auf einem echten Pferd beim Schein eines prächtigen Lagerfeuers die Kinder besuchen. Bis heute gibt es das jährliche Kräuterfest.

MEDI-KIDS entwickelte früh ein eigenes Profil. Dazu gehörte eine bilinguale deutsch-englische Betreuung. Ein weiterer Schwerpunkt war gesunde Ernährung. Bereits 2009 wurde die BeKi-Zertifizierung angestoßen, 2011 erhielt die Kita das Zertifikat erstmals und wurde bis heute mehrfach rezertifiziert. Regional, saisonal, frisch und kindgerecht sollte das Essen sein. Heute beziehen sie erntefrisches Obst und Gemüse direkt aus der Pfalz.

Aus diesem Konzept entstand sogar ein eigenes Kochbuch. Von einer Ernährungsökotrophologin fachlich geprüft, sind die ausgewählten Rezepte speziell für die Bedürfnisse von Kleinstkindern abgestimmt. Professionell fotografiert und gestaltet wurde das Buch mit Unterstützung der Fakultät. Möglich wurde das Projekt auch durch ein Preisgeld von 7.500 Euro, das MEDI-KIDS für erfolgreiche geschlechterdemokratische Erziehung erhalten hatte.

Doch wenn Gudrun Pingel darüber spricht, was ihr in 17 Jahren wirklich wichtig war, kommt sie schnell zu dem, was sich weder zertifizieren noch in Konzeptpapieren festhalten lässt: zur Beziehung zum Kind.

„Jedes Kind hat sein eigenes Zeitmaß.“

Dieser Gedanke, der unter anderem auf die Pädagogik Emmi Piklers zurückgeht, hat ihre Arbeit über all die Jahre geprägt. Kinder sollen Zuneigung und Wertschätzung erfahren, Vertrauen in sich selbst und andere entwickeln und sich angenommen fühlen. „Das Kind muss sich wohlfühlen und gerne in die Kita kommen“, sagt Pingel. Und dafür brauche es vor allem eines: „Die Liebe zum Kind ist das A und O.“

Ebenso wichtig war ihr die Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie wurden von Anfang an als Bildungspartner verstanden. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Alltag funktionieren. MEDI-KIDS bot deshalb lange Betreuungszeiten von 7 bis 19 Uhr an, die Schließzeiten belaufen sich bis heute auf nur zweimal fünf Tage im Jahr. Während der Eingewöhnung kamen Eltern mitunter mit dem Laptop in die Kita und arbeiteten dort weiter. Ärztinnen konnten zum Stillen herüberkommen oder abgepumpte Muttermilch abgeben, die später den Kindern gegeben wurde. So konnten auch sehr kleine Kinder betreut werden.

Vereinbarkeit wurde hier nicht nur versprochen – sie wurde gelebt.

Was Pingel aus 17 Jahren Leitung ebenfalls mitnimmt, ist die Bedeutung eines guten Teams. Unterschiedliche kulturelle und berufliche Hintergründe empfindet sie als Bereicherung. Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wollte sie Raum geben, eigene Ideen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und die Kita mitzugestalten.

Dabei hat sie auch erfahren, wie wichtig offene Kommunikation, Vertrauen und Rückhalt sind. Eine Einrichtung könne auf Dauer nur gut funktionieren, wenn Team, Leitung und Elternschaft gut zusammenwirken.

Mit Pinar Battal übernimmt nun eine Kollegin die Leitung, die MEDI-KIDS bereits aus der täglichen Arbeit bestens kennt: Seit vier Jahren ist sie als Erzieherin in der Einrichtung tätig. Gudrun Pingel wünscht ihrer Nachfolgerin ein engagiertes Team, ein vertrauensvolles Miteinander und gute Rahmenbedingungen, um MEDI-KIDS erfolgreich weiterzuführen und zugleich eigene Akzente zu setzen.

Eine wichtige Konstante war über die Jahre die enge Begleitung durch das Gleichstellungsbüro. Als Antonia Scheib-Berten die Fakultät verließ, übernahm Dr. Anja Titze ihre Nachfolge. Mit ebenso großem Engagement und viel Herzblut setzte sie die Arbeit ihrer Vorgängerin fort und unterstützte MEDI-KIDS mit außerordentlicher Verbundenheit und Tatkraft.

Mit besonderer Dankbarkeit blickt Gudrun Pingel zugleich auf die Unterstützung durch Prof. Klaus van Ackern und Paul Fischer zurück. Beide hatten die Gründung von MEDI-KIDS maßgeblich vorangetrieben und standen der jungen Einrichtung und ihrer Leiterin insbesondere in den Aufbaujahren mit großem Interesse und verlässlichem Rückhalt zur Seite.

Bis zuletzt blieb MEDI-KIDS in Bewegung. Mit Begleitung von pro familia entwickelte das Team aktuell ein Kinderschutzkonzept. Auch über den Kita-Alltag hinaus zeigte die Einrichtung Engagement: Durch besondere Projekte und Feste sowie das Engagement von Eltern und MitarbeiterInnen kamen mehr als 1.400 Euro an Spenden für die Klinikclowns der Kinderkrebsstation der UMM zusammen.

Nun verabschiedet sich Gudrun Pingel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf den Ruhestand freut sie sich. Vermissen wird sie vor allem die Kinder – ihre Entwicklung, die besonderen Momente im Alltag und die vielen gemeinsamen Feste mit den Familien.

Denn bei allen Dienstplänen, Konzepten, Zertifizierungen und Projekten war es immer die Arbeit mit den Kindern, die sie aufs Neue motivierte und sie auch über manche Hürde hinwegtrug. Sie wollte ihnen einen Ort geben, an dem sie liebevoll begleitet werden, Vertrauen entwickeln, gute Werte erfahren und sich frei entfalten können.

Vor 17 Jahren gab es noch keine Räume, keine Kinder und keine fertige Konzeption – nur die Idee, eine Kita zu schaffen, die Familien den Alltag ein Stück leichter macht. Heute ist MEDI-KIDS längst ein fester Bestandteil der Medizinischen Fakultät.

Und für Gudrun Pingel bleibt nach all den Jahren vor allem das, worum es ihr von Anfang an ging: Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen und Eltern und Kindern einen sicheren Ort zu schaffen – einen Ort, an dem Eltern ihre Kinder gut aufgehoben wissen und die Kinder gerne kommen, sich angenommen fühlen und sich frei entwickeln können.