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Herr Bitz, seit wann beschäftigen Sie sich mit Deeskalation im klinischen Kontext? Und wie hat sich das Thema in dieser Zeit verändert?
Ich war von 2000 bis 2013 in der Psychiatrie beschäftigt und habe dort das Deeskalationsmanagement erfahren, da wurde es entwickelt nach ProDeMa. Das kommt aus Wiesloch und da habe ich dann so die Anfänge mitbekommen, wie das Konzept entwickelt wurde und wie man damit arbeitet. Ja, also das Deeskalationsmanagement selbst hat sich weiterentwickelt, weil es mehr Eskalationen gibt.
Welche Erfahrungen aus dem pflegerischen Alltag haben Sie dazu bewogen, sich im Bereich Deeskalation besonders zu qualifizieren?
Nach 13 Jahren Psychiatrie habe ich dann die Somatik angefangen und habe erlebt, dass auch hauptsächlich verbale Übergriffe, aber auch körperliche Übergriffe dort stattfinden – nicht nur in der Psychiatrie. Und habe gedacht: Jetzt habe ich ja auch Erfahrungen gesammelt in der Psychiatrie. Warum sollen wir das nicht auch in der Somatik weiterentwickeln und ausführen? Und habe mich dann entschlossen – hat ein bisschen gedauert, bis das auch genehmigt wurde –, aber 2018 dann die Ausbildung zum Trainer für Somatik zu machen.
Welche Formen von Gewalt oder Eskalation begegnen Mitarbeitenden in einem großen Universitätsklinikum besonders häufig?
Besonders häufig ist die Form der verbalen Eskalation, aber auch andere Eskalationen wie Übergriffigkeiten, Anfassen, Greifen, Festhalten und auch Bedrohungen. Das kann per E-Mail, aber auch mündlich sein.
Welche Maßnahmen haben sich am Universitätsklinikum Heidelberg in der Deeskalationsarbeit besonders bewährt?
Besonders bewährt hat sich, dass wir insgesamt 16 Deeskalations-Trainerinnen und Trainer am Uniklinikum sind und wir Schulungen über unsere Akademie für die Mitarbeiter anbieten – zweitägige Schulungen und spezielle viertägige Schulungen in der Psychiatrie.
Welche Erfahrungen aus Heidelberg wären aus Ihrer Sicht besonders wichtig für die Weiterentwicklung der Gewaltprävention im Raum Mannheim?
Dass auch andere Kliniken ein Deeskalationsmanagement aufbauen und natürlich alles, was im Verbund auch der Uniklinik ist, wir da gerne unterstützen und auch da mitwirken. Und natürlich da auch niemanden alleine lassen.
Auf welche Daten oder Beobachtungen stützt sich die Einschätzung, dass Deeskalation im Klinikalltag ein wachsendes Thema ist?
Zum einen muss jeder, der die Trainerausbildung macht, eine Gefährdungsanalyse in seiner Ausbildung machen. Dadurch bekommen wir auch Werte beziehungsweise Rückmeldungen aus den Bereichen, wo wir diese Analyse machen. Und wir hatten vor anderthalb Jahren mit dem Max-Weber-Institut eine große Befragung in den Ambulanzen bei uns gemacht, mit dem wissenschaftlichen Hintergrund auszuwerten und zu gucken, wie das auch wissenschaftlich belegt ist. Dabei haben wir festgestellt, dass doch eine große Eskalation stattfindet.
Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf beim Schutz von Beschäftigten in Kliniken?
Es ist in der Hauptsache wichtig, dass die Mitarbeiter in verbaler Deeskalation geschult sind, weil das auch das Hauptsächliche ist, womit sie täglich arbeiten müssen, und dass sie auch wissen: Wie gehe ich damit um?
Welche Rolle spielen Führungskräfte dabei, Deeskalation und Gewaltprävention dauerhaft im Klinikalltag zu verankern?
Führungskräfte spielen eine große Rolle, weil sie die Mitarbeiter dementsprechend – wenn sie sich auskennen – auch auf Fortbildungen schicken beziehungsweise für Fortbildungen anmelden, um im Umgang mit Eskalationen sicherer zu werden.
Wie erleben Sie den Austausch mit anderen Kliniken zu Gewaltprävention und Deeskalation? Und wie ist es vor allem auch im Hinblick auf die Fusion mit den Universitätskliniken, hier eine gemeinsame Präventionsstrategie zu finden?
Im Moment ist es so, dass ich gerade dabei bin, die einzelnen Kliniken jetzt im Konzernverbund anzusprechen und auch schon in einer Klinik im Verbund beziehungsweise im Konzern ein Deeskalationsmanagement zu installieren. Da sind wir dabei. Und ich denke, dass das in Zukunft auch im großen Verbund so getan wird und hoffe, dass man da auch auf uns zurückgreift, da wir ja auch schon Erfahrungen damit haben.
Vielen Dank, Herr Bitz.
Kontextspalte
Wolfgang Bitz
Deeskalationstrainer
Universitätsklinikum Heidelberg