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Herr Krakow, welche konkreten Beratungsangebote macht die Polizei Einrichtungen des Gesundheitswesens zur Gewaltprävention?
Die Polizei in Mannheim, Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis hat Gewaltpräventionsangebote für Einrichtungen mit Publikumsverkehr – dementsprechend auch für medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Kliniken und Arztpraxen. Aber das ist insgesamt breiter zu denken. Der Schlüsselpunkt ist eben der Publikumsverkehr. Überall dort, wo Patientinnen und Patienten Hilfe in Anspruch nehmen wollen, entstehen potenzielle Problemfelder, bei denen auch die Polizei mit ins Spiel kommt. Deshalb bieten wir Beratung für Einrichtungen, Arztpraxen und Kliniken an: Wie können kritische Situationen von vornherein vermieden werden? Und wenn es doch zu einer kritischen Situation mit einer Patientin oder einem Patienten kommt, wie kann man diese bestmöglich handeln und bearbeiten, sodass am Ende niemand zu Schaden kommt – weder der Patient noch die Beschäftigten in der medizinischen Einrichtung.
Welche technischen und organisatorischen Maßnahmen haben sich aus polizeilicher Sicht besonders bewährt?
Technik und Organisation sind schon ein Schlüssel zum Erfolg. Man muss es so verstehen: Es ist zunächst eine Art Heimspiel. Das heißt, man kann sich in Ruhe und mit Sorgfalt auf mögliche kritische, aggressive oder sogar gewalttätige Situationen vorbereiten. Diese Zeit sollte man im Vorhinein nutzen, um technisch-bauliche Voraussetzungen anzupassen, zu verbessern und zu überprüfen – gegebenenfalls auch mit unserer Beratung und Unterstützung. Das gilt ebenso für die Organisation. Also schon einfache Fragen wie: Wie wird das Publikum gelenkt? Wie werden Patientinnen und Patienten empfangen? Wie werden sie in Wartebereiche geführt? Wichtig ist, dass Wartezeiten in einer möglichst angenehmen Atmosphäre überbrückt werden können. Das kann bereits viel zur Deeskalation beitragen.
Welche Rolle spielt das Verhalten der Mitarbeitenden bei der Deeskalation kritischer Situationen?
Auch das ist eine Schlüsselsituation. Wenn es zu kritischen Situationen kommt, liegt bei den Mitarbeitenden eine große Verantwortung dafür, wie die Situation ausgeht und wie sie sich entwickeln wird. Dafür gibt es keine feste Schablone. Es gibt aber Verhaltenstipps und Grundsätze, die man beachten sollte. Jeder kann einmal einen schlechten Tag haben – deshalb wird es auch nie eine hundertprozentige Sicherheit geben. Wie jemand reagiert, lässt sich nie vollständig vorhersagen. Aber wichtig ist, dass man Grundsätze der Deeskalation und Gesprächsführung kennt und auch auf das eigene Bauchgefühl hört. Gerade mit zunehmender Berufserfahrung merkt man oft frühzeitig, wenn eine Situation wahrscheinlich in Richtung Eskalation geht. Dann ist es wichtig, sich selbst regulieren zu können und auf erlerntes Handwerkszeug zurückzugreifen – zum Beispiel auf Ich-Botschaften oder andere deeskalierende Kommunikationsformen.
Kontextspalte
Knut Krakow
Polizeioberkommissar
Polizeipräsidium Mannheim